Herbst 2014

Liebe Missionsfreunde,

drei Wochen Kenya liegen hinter mir, am Mittwochabend , dem 29.10., bin ich wieder in Frankfurt angekommen. Hier sind einige Erfahrungen, die ich gemacht habe.

Wie immer wohnte ich an der Nordküste von Mombasa, diesmal in einem Hotel anstatt in einer Privatpension, da die Preise momentan sehr günstig sind und weil mein Freund mich finanziell wieder stark unterstützt hat.

Auf der Fahrt vom Flugplatz zum Hotel gab es einen Auflauf an der Straße. Ich wollte natürlich hin, weil ich dachte, hier wird wieder jemand verprügelt, (siehe die letzten 2 Rundbriefe). Wir fanden jedoch heraus, dass es nur eine „Waschung“ war. Ein Motorradtaxifahrer wurde von den Leuten nackt an der Straße ausgezogen und öffentlich gewaschen, weil er so stark roch.

Familie Said bat mich, ein neugeborenes Baby zu segnen. Die Mutter mit Kind war aus Nairobi angereist; die ganze Großfamilie war anwesend, lauter Muslime. Ich hatte die Gelegenheit, Gottes Wort zu lesen, kurz zu predigen und das Kind zu segnen.
Diese Familie kenne ich seit vielen Jahren. Eine Person aus der Familie durfte ich zu Jesus führen; sie steht fest in der Nachfolge.

In dem Hotel, in dem ich wohnte, hatte ich viele gute Gespräche mit den Rezeptionisten, mit einem der Wächter und verschiedenen Angestellten.
Eine Angestellte fragt mich zum wiederholten Male, ob ich ihr nicht eine Bibel besorgen könnte. Sobald ich in die Stadt kam, habe ich ihr eine gekauft.
Nach einem Abendessen im Hotel bat mich die Verantwortliche für den Speisesaal, für sie zu beten. Sie ist eine Muslima. Gespräche mit den Angestellten sind nicht so ganz einfach, weil man es nicht gerne sieht, wenn das Personal sich mit den Urlaubern unterhält.

An einem Nachmittag sprach ich eine junge Amerikanerin im Hotel an. Sie ist mit ihrem Mann, einem Afrikaner, und Kleinkind neu im Hotel. Ich versuchte ein Gespräch über den Glauben mit ihr zu führen, erzählte von meiner Bekehrung, Ausbildung, Soldaten- und Missionarszeit. Sie war sehr interessiert. Als ich ihr vom Tod unseres Sohnes in Ngao erzählte, standen uns beiden die Tränen in den Augen. Dann kam die Überraschung, als sie sagte: Ich möchte jetzt gerne für dich beten! Es stellte sich heraus, dass sie bekehrt ist und zusammen mit ihrem Mann ein Kinderheim in Kenya leitet.

Am Strand beobachtete ich am Abend einen Afrikaner, der dort 20 Minuten lang mit erhobenen Händen laut betete.

Zusammen mit Pastor Lewa habe ich Gemeinden besucht. Im Riziki-Waisenhaus gab es ein Problem. Der Bruder von Robert, dem Leiter von Riziki, musste wegen eines Herzinfarkts ins Krankenhaus. Die Frau des Bruders erlitt über dem ganzen Geschehen eine Fehlgeburt und die Schwiegermutter erlitt auch einen Herzinfarkt, als sie hörte, dass der Enkel tot auf die Welt kam. Ich konnte Robert Dank der Spenden von Deutschland auch finanziell ein wenig helfen.

Auch die Gemeinde in Machine hatte größere Probleme. Eine junge Frau aus der Gemeinde wurde von ihrem Mann verprügelt, sie fiel zu Boden und erlitt eine Fehlgeburt. Der Leichnam musste zur Beerdigung ins Hochland gebracht werden. Unterwegs ins Hochland kollidierte der Leichenwagen mit einem Lastwagen, die Mutter des toten Säuglings und ein weiteres Gemeindeglied mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Der Gemeinde in Mtwapa, die von der Missionshilfe unterstützt wird, konnten wir Geld übergeben, damit das Dach und Vordach des Gemeindehauses repariert werden können.

An einem der Tage hatte ich gute Gespräche mit Beachboys, das sind junge Männer die am Strand versuchen, Safaris, Holzschnitzereien, Bootstouren usw. zu verkaufen.
Da es nur ganz wenige Touristen gibt, haben sie keine Arbeit und kein Einkommen und müssen oft hungern. Ich kaufte jedem eine Tasse Tee und zwei Schnitten Brot mit Margarine von einer Frau die sich am Strand damit ein kleines Einkommen verdient. Viermal Tee mit Brot kosteten mich 2 Euro. Dafür hatte ich jetzt offene Zuhörer und konnte ihnen von Jesus erzählen.

Ein junges Mädchen mit einem hungrigen Säugling auf dem Rücken kam bettelnd an uns vorbei, sie bekam 50 Cent und ging glücklich davon.

An einem Morgen machte ich einen frühen Strandlauf. Ein Mann und eine Frau saßen am Strand und beteten. Ich hocke mich dazu und betete mit. Sie haben sich sehr gefreut: ein Weißer, der betet! Wir hatten noch ein gutes Gespräch miteinander.

An einem Morgen wurde ich gebeten, Salim zu suchen. Er ist Moslem, und ich hatte schon früher mit ihm über Jesus und den Koran reden können. Salim ist zuckerkrank, muss 2x pro Tag spritzen. Er ist seit vier Tagen verschwunden und hat seine Medizin nicht dabei. Wir waren auf verschiedenen Polizeistationen, auch die Krankenhäuser wurden benachrichtigt. Am nächsten Tag bekamen wir Nachricht von der Polizei, dass das Tuk Tuk von Salim , ein motorisiertes Dreirad, das als Taxi genutzt wird, gefunden worden war. Die Polizei sagte uns, dass Salim tot sei. Er hatte in Mombasa mit dem Tuk Tuk einen leichten Unfall gehabt, wurde ohnmächtig vorgefunden und ins Krankenhaus gebracht und behandelt. Da man im Krankenhaus nicht von seiner Diabetes wusste, und dass er ein sehr starkes Medikament gegen Malaria genommen hatte, gab man ihm die falschen Medikamente, die seinen Tod zur Folge hatten. Beim Identifizieren seiner Leiche sah ich auf Bänken überall Tote liegen. In den Kühlschränken lagen über 200 Tote, es stank furchtbar. Ich musste durch den Mund atmen, um mich nicht zu übergeben. In einem der Schränke fanden wir Salim, der am folgenden Tag beerdigt wurde.

In den nächsten Tagen besuchte ich mit Pastor Lewa wieder Gemeinden.
Um sechs Uhr sind wir unterwegs nach Kakoneni, Baobala, Bofu und anderen Gemeinden. In einer Gemeinde taufe ich 15 Personen, es ist ein bewegender Gottesdienst unter freien Himmel.
Nach der Taufe haben wir in der kleinen Kirche ein Gemeindeseminar.
Das Gemeindehaus ist nur halb mit Wellblech gedeckt. Die Gemeinde sitzt im Trockenen, aber der Pastor wird bei Regen nass. Die Gemeinde erhält das nötige Geld, um das Dach fertig zu decken.

Eine weitere Gemeinde bekommt Geld, um das Grundstück zu bezahlen, auf dem sie schon ein kleines Gemeindehaus gebaut hat. Der Eigentümer des Grundstücks will sie verjagen, wenn sie nicht endlich zahlen.

Flug zur Insel Lamu. Die Maschine ist voll, viele Leute trauen sich nicht mehr mit Auto oder Bus nach Lamu zu fahren wegen der Überfälle in der Vergangenheit.
Der Pastor der Gemeinde Lamu hatte versucht, einen Teil des gemeindeeigenen Gundstücks zu verkaufen. Das Geld veruntreute er und wurde darauf hin entlassen. Ich treffe mich mit einem der Ältesten der Gemeinde, um über die Situation zu sprechen; es gibt Probleme ohne Ende.

Zurück im Hotel mache ich das Auto fertig zur Übergabe an Pastor Lewa. Ich helfe beim Autowaschen an der Tankstelle. Die Leute haben ihren Spaß, ein „Weißer“, der das Auto wäscht, wer hat so etwas schon einmal erlebt! Ich habe eine gute Gelegenheit, mit ihnen über den Glauben zu reden. Beim Bezahlen nach dem Tanken und Nachfüllen des Öls sagt mir die Kassiererin glaubwürdig dass sie Katholikin ist, aber sich bewusst entschieden hat, Jesus nachzufolgen.

Bei meinem letzten Abendessen beobachte ich, wie der Landespräsident für die Küstenregion am Strand 1000,- Ksh. Scheine ( das sind 10 Euro) an Afrikaner verteilt, er hat großen Zulauf.

Danke für alle Unterstützung! Ich wünsche Euch Gottes Segen.
Euer Tony.